Alles Theater

Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein wirklich guter Schreiberling. Aber da hören meine Lobpreisungen für ihn auch schon auf. Zugegeben, alles was jetzt folgt ist eigentlich nur egoistisch und ganz schön kleinkariert, aber das muss manchmal sein.

Der Bindestrichmann, ich kann Bindestrichnamen nicht leiden, schreibt genau über die Themen, die mich auch interessieren, über die man sich wirklich lustig machen muss und trifft dann auch noch Leute, deren Gebrabbel er ungekürzt übernehmen kann, um eine Theaterparodie auf die Beine zu stellen. So geschehen gestern in der Harald Schmidt Show. Schmidt spielte Claus Peymann, Barre sich selbst und Manuel Andrag den Verkäufer. Gespielt wurde ein Interview, das der Bindestrichmann mit Peymann für die FAZ führte. Schmidt ist höchstwahrscheinlich die beste Besetzung für jeden Intendanten, aber ganz besonders gut war er als Peymann. Das ist natürlich genial, wenn man alles als Theater betrachtet und überall hingeht, wo einem das Leben Stücke der feinsten Art frei Haus liefert. Mit offenen Augen durch das Leben gehen und einfach betrachten, was da vor sich geht. Vor allem aber nichts als selbstverständlich hinnehmen und vieles hinterfragen. Anders komme ich ja auch nicht zu meinen Geschichten und Berichten. Mir springt der witzige Aspekt eines Opas, der vor einer Arztpraxistür steht und nicht weiß wie die Tür aufgeht, ebenfalls ins Auge und ich schreibe es auch auf, aber mir gibt niemand Geld dafür. Hingegen Stuckrad-Barre wird dafür vom Spiegel, der FAZ und MTV fürstlich entlohnt.

Der Bindestrichmann schreibt in seinem Buch „Soloalbum“ über die Nachfolgezeit der gescheiterten Beziehung eines jungen Mannes zu seiner großen Liebe. Finde ich grundsätzlich gut, aber die einzelnen Kapitel des Buches mit Songtiteln oder Zitaten von Oasis zu betiteln und darüber hinaus seitenlang Texte von den Spinnern zu zitieren oder über deren Sinn zu lamentieren, ist scheiße. Erstens ist Britpop keine Musik im herkömmlichen Sinne und zweitens ist Oasis, wie ein Freund treffend bemerkte: „die Band die es nicht geben dürfte“. So vereint B.v.S.B. in einem Buch wirklich großartige Sprache und bescheuerte Ansichten zum Leben und zur Musik. Schade.

Das allerschlimmste an dieser vermaledeiten Lage ist aber, wenn jemand zu mir kommt, der zufällig einen Text von mir gelesen hat und dann sagt: „Du magst den Stil von Stuckrad- Barre, oder? Hast ihn ja auch kopiert.“

Danke.

Karsten Görsdorf, Berlin, August 2001

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