Musik

Montag, 3. November 2008

Interpretation: Evergrey-"Broken wings"









Hier geht’s zu den Lyrics
Nun geht es hiermal zur Sache! Jawoll, Progressive Metal steht an. Obwohl diese Band eine ganze andere Ebene erfasst, heißt das noch lange nicht, dass es in den Texten nur um den Tod geht. Eine, subjektiv grandiose, Band regt in ihren Liedern nicht nur zum Nachdenken an, sondern verleiht dem ganzen auch Nachdruck (spreche aus 3-gekauften-Alben Erfahrung). Wer nicht schon bei der etwas brachialeren musikalichen Umsetzung zurückschreckt, kann geistlichen Ergüsse des Front-mastermind Tom S. Englund gespannt folgen.

Nun aber zu einem Werk, das sich „broken wings“ nennt und sich auf dem neuen Album „Torn“ befindet. Stellt euch folgende Situation vor: Ihr seid Mutter oder Vater eines schwer kranken Kindes, für das es keine Hoffnung mehr gibt und habt Streit mit eurem Ehemann /-frau. Es leidet sehr, Tag für Tag ein Fünkchen mehr. Ihr würdet alles tun für euer eigenes Fleisch und Blut. Aber ihr könnt nichts tun. Dann entschließt ihr euch nach Belgien oder in die Schweiz zu fahren (aktive Sterbehilfe). Allerdings verstehen das die anderen Familienmitglieder und eure Freunde nicht. Nun wirst du als Mörder und egoisticher Verrükter abgestempelt. Ihr verliert euer Serlbstvertrauen, werdet von eurem Kind aus „Sicherheitgründen“ getrennt, entzieht euch mehr und mehr dem Leben und irrt nun durch die Straßen. Dann trefft ihr jemanden, der euch zuhört und euch versteht. Dieses Gespräch könnte der Text dieses Liedes sein. Wichtig hierbei ist, dass ihr eure Handlungen als gut und notwendig anseht. Diese Annahme kommt einer Art Leitlinie durch den gesamten Text gleich und bildet den inneren Konflikt.

In der ersten Strophe beklagt sich der „Sänger“ über seine Situation in einem verzweifelten, weinerlichen Ton. Er erklärt, warum er sich aus dem Leben zurückgezogen hat, wie er in diese Lage geraten ist und dass er aus dieser psychologischen „Dunkelheit“ raus will. Im Refrain bittet der Sänger daum verstanden zu werden. Die Gesprächsperson soll sich in seine Lage versetzten, seine Angst spüren.

Danach, in der zweiten Strophe, spricht die Person. Sie zeigt Verständnis, sie respektiert seine Handlungen, sieht sie nicht als verwerflich an. Weiterhin tröstet sie den „Sänger“ und weist ihn auf die Erkenntnis hin, die ihm die Situation gebracht hat. Das es sinnlos ist (typisch für dieses Genre). Der zweite Refrain wird durch von dieser Erkenntnis ausgelösten Hoffnunfslosigkeit erweitert. Dazu u.a. die Zeile: „Alle Hoffnungen sind zu Asche verbrannt“.

Allerdings macht die Person dem „Sänger“ in der letzten Strophe wieder Hoffnung, da es auch für ihn Tage geben wird, an denen er fühlen darf. Demnach soll der „Sänger“ einen neuen Weg einschlagen und sich nicht wieder durch falsche Hinweise davon abbringen lassen.
Also doch nicht das übliche „tot-grausige“ Ende. Zugegeben, die Musik ist nicht jedermanns Sache, aber sie ist erkenntnis- und akzent-reicher als viele glauben.

P.S.: Es könnte auch einen direkten Konflikt zwischen den Gesprächsfüherern geben, aber das würde die Interpretation zu schnell in eingleisige, düstere und nicht zuletzt unrealistische Schienen fahren lassen. Das wäre selbst diesem Musikstil gegenüber nicht gerecht.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Song-interpretation: "Tomte - Schreit den Namen meiner Mutter"








lyrics findet ihr unter: magistrix.de !

Ein weiterer sehr interessanter Song, der von einer bedeutenden deutschen Rock/Pop- Band stammt, ist: „Schreit den Namen meiner Mutter“. Kennern der Szene sollte „Tomte“ ein Begriff sein und somit auch der Tiefgang ihrer Lieder, deren Aktualität unbestritten ist.

Schnell erkennt man das beschriebene Gefühl, das wohl die meisten von uns kennen. Man sitzt auf einer Bank, wartet auf den nächsten Bus, die Tram oder einen Zug… Die Leute eilen an dir vorbei, rastlos, ruhelos und irgendwie ist man froh mal nicht im Treiben unterzugehen und beobachtet die Menschen. Dann fragt man sich: ‚Geht es nicht auch anders?‘ Man erinnert sich an die Zeit, die man „spürte“. In der Kindheit, bei den Eltern, Geschwistern, mit Freunden.
Das zentrale Thema bezieht sich also auf die Entscheidung: Soll ich mit der Menschenmasse der Zukunft entgegen rennen? Oder kann ich mich bewusst dagegen stellen? und wann es Zeit ist mal „stehen zu bleiben“. Denn häufig rast das Wichtigste am Leben einfach an einem vorbei, ohne das man es festhalten kann. Auch darauf, dass das manche nicht verstehen, bezieht sich das Lied.

In der ersten Strophe fragt sich der Sänger, ob er sich dem hastischen Treiben der anderen ergeben soll. Er verweist die Verantwortlichkeit dieser Lebenshaltung auf seine Eltern, die ihm leben und nicht hetzen beibrachten. Dies wird in der Zeile „“zu einem glühenden Verehrer der Sachen des Lichts“ ausgedrückt. Somit empfindet der Autor die Hetzerei der Menschen als schlecht.

Die zweite Strophe beginnt auch mit einer wiedergegebenen Kritik einer anderen Person über die Familie des Sängers. Dies zeigt wiederum, dass diese Person im rasenden eben rytmus untergeht und nicht mehr zum Leben kommt. Allerdings hilft der Sänger ihr und macht ihr klar, was wirklich leben heißt. Dabei ist Karrierestreben nichts Negatives für den Autor, aber man muss nicht kopflos, zeitlos am Leben vorbeirennen. Man kann beides, denn „ es liegt alles offen“.

Im Refrain wird das Lebensmotto des Sängers nochmal konkretsiert. Die gehetzte Person, mit der der Autor spricht, braucht ihn um ihr eignes Leben zu halten. Sie genießt nämlich sehr die Zeit mit dem Sänger, sie schöpft Kraft daraus.

Dies ist also eine Befürwortung des Mottos: „Nimm jeden einzelnen Moment des Lebens wahr“. „Stehen bleiben“ bedeutet nicht Verträumtheit oder Faulheit sondern Kraft aus innerer Ruhe. Denn der Mensch kann seine Zeit selbst einteilen.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Songinterpretation: "Fettes Brot - Ich lass Dich nicht los"

Gerade zum ersten mal im Radio gehört und gleich in den Song verliebt:




Songtext auf magistrix.de
Interpretation:

Auffallend im deutschsprachigen Musikraum sind Liedtexte, die über das fröhliche [Friede, Freude, Eierkuchen] hinaus gehen und ernste Themen ansprechen. Liebe ist als Thema auch schon zu ausgelutscht, als dass ein Songautor neue Erkenntnis oder Sichtweisen rüber bringen könnte. Die Fronten sind an diesem Orte ja bekannt und erhärtet. Entweder Liebe ist toll und man freut sich wie ein Kullerkeks. Oder aber die Liebe schmerzt, weil sie aus einem bestimmten Grund unerfüllt bleibt. Facettenreich sind dann eigentlich nur die verschiedenen Gründe, warum Liebe unerfüllt bleibt. Im neuen Song von "Fettes Brot" geht es ebenfalls um unerfüllte Liebe.

Nachdem ihr den Song ein paar mal gehört habt, macht es sofort Klick im Köpfchen und ihr fühlt euch über 20 Jahre zurückversetzt. Damals schlug Falcos "Jeanny" wie eine Bombe ein und polarisierte bei allen Zuhörern, die den Text verstanden, akustisch und inhaltlich. Dort ging es um einen Stalker, der die arme Jeanny für sich haben möchte und ihr grausame Dinge antut. Zumindest wird dies angedeutet. Wer in dieser Songtrilogie das wahre Opfer ist, bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen. Und so ist es ebenfalls bei "Ich lass Dich nicht los" von "Fettes Brot".

Auch in diesem Song geht es um einen Mann, der einer Frau nachstellt. Im Laufe des Liedes offenbart sich, dass das lyrische Ich das Leben jener Frau genau beobachtet hat und es zu einer Art Obsession wurde, genau zu wissen, wann sie wo ist. Auch Details aus ihrem Leben lassen auf den Beobachtungswahn des Mannes schließen. Denn wie sonst hätte er wissen können, wo ihr Ersatzschlüssel versteckt ist oder wie ihre Kissen liegen? Ein wenig unklar bleibt mir, ob die zwei Protagonisten in den vergangenen vier Jahren Gesprächkontakt hatten oder der einzige Kontakt durch die Kommunikationsversuche via Blumen und Briefe zustande kam. "Wir kennen uns schon seit über vier Jahren" lässt vermuten, dass die zwei noch Kontakt halten. Der Mann lässt sich auch über den aktuellen Partner der Frau aus, was auf einen Kommunikationsvorgang schließen lässt. Andererseits folgt in den Zeilen danach auch, dass die Blumen und Briefe zerstört wurden und ein Gerichtstermin angesetzt wurde. Daraus lässt sich ableiten, dass Frau und Partner sich belästigt fühlten und das Gespräch eben genau NICHT suchten. Aber das ist ja auch eine Art Kommunikation...

Im Höhepunkt des Songs besucht er sie in ihrer Wohnung und es kommt zum Eklat: Er lebt seine Besessenheit für die Frau aus und schlägt sie nieder. Damit zeigt er durch brutale Art, wie schlecht er mit der unerwiderten Liebe umgehen kann und letztlich nur in ihrem Tod die Möglichkeit sieht, mit ihr vereint zu sein. Spekulationsraum ist offen, ob die beiden dadurch vereint sind (und "miteinander gehen"), dass er sich danach ebenfalls umbringt. Anhaltspunkte dafür sind zu finden, denn die Leute, die "draußen warten", sind wahrscheinlich Polizisten, die dem unberechenbaren Treiben des Stalkers ein Ende machen wollen. Textlich zu zeigen, dass der Stalker genau das weiß und damit rechnet bald ins Gefängnis zu kommen (und damit von ihr getrennt zu sein), lässt meinen Schluss zu, dass er sich mit ihr im Tode vereint.

Opfer ist hier zum einen die Frau, die ihr Leben lassen muss. Aber auch der Mann ist das Opfer, denn seine krankhafte Leidenschaft für die Frau übersteigt das kritische Maß und lässt auf eine Geisteskrankheit schließen. Offenbar hatte jener Mann die Fähigkeit verloren, im realen Leben Sozialkompetenz zu zeigen und sah das Internet als Quelle für gesellschaftliche Kontakte an. Wirkliches Opfer ist aber auch der Partner von der Frau. Denn vor ihm liegt ein Scherbenhaufen vom zerbrochenen Liebesglück. Während es vor dem Tode der Frau nur eine Person gab, die an unerfüllter Liebe litt, gibt es nach ihrem Tode nun eine zweite. Denn der Tod einer gestorbenen Person, die man liebte, ist auch eine Art unerfüllte Liebe.

Übertragen in die neuartige Zeit des Internets, warnt der Song davor, zu schnell zu viel von sich Preis zu geben. Man weiß nicht, was für ein Mensch auf der anderen Seite der Leitung sitzt und sollte empfindliche Daten wie Telefonnummer oder Adressen nur dann herausgeben, wenn man der Person vertrauen kann. Kindliche Naivität - an das Gute im Menschen zu glauben - ist zwar teilweise löblich, hat aber seine Grenzen im unbekannten anonymen Raum des Internets. Das sollten man und frau sich immer vor Augen führen.

Montag, 7. Mai 2007

COCOROSIE – THE ADVENTURES OF GHOSTHORSE AND STILLBORN

CocoRosie-Album„Mach mal den Krach aus!”, schallt es aus dem Büro nebenan. Krach? Ja, Krach! Vortreffliche Wortwahl, gilt es den ersten Hörneindruck zu umreißen. Virtuoser Krach.

Vergleichbar mit Rousseaus genialer Infantilität, rekombinieren die Schwestern Sierra und Bianca Klänge aus einer längst vergessenen Zeit, die einzeln mit Sicherheit zur Wahrheitsfindung in US-Amerikanischen All-Inklusive-Anlagen an Cubas Südküste benutzt werden, hier jedoch mit einer Leichtigkeit, dass einem Schwindelig wird. Man möchte sich wie damals mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen im Kreise drehen, bis der ganze Körper taumelt. Freudentaumel. Mit einem selbst als Mittelpunkt des Universums.

Unbeschwertheit. Dieser Begriff kommt einem unwillkürlich in den Sinn, sobald sich die Ohren an den akustischen Nexus gewöhnt haben. Wer jetzt noch eine gewisse Kongruenz zu den Werken einer kleinen Isländischen Fee heraushören will, dem sei Respekt gezollt – niemand geringeres als Valgeir Sigurðsson hat hier seine Finger im Spiel. Plagiat? Nicht im Geringsten. Das Dreigestirn versteht es, die voluminöse Wucht Reykjavik’scher Digitalkunst auf die US-Amerikanerinnen zu projizieren, ohne deren Authentizität zu untergraben und erschafft dadurch nie geahnte Klangwelten. Die Kompositionen beanspruchen nicht nur jede Zelle des menschlichen Körpers, sondern sie breitet sich im ganzen Raum aus. Die Dichte des Klangteppichs trägt den Zuhörer wie übergewichtige Touristen im Toten Meer. Sich treiben lassen auf den engelsgleichen, doch von Kompressoren zerrissenen Stimmen der beiden Protagonisten. Dieser Dualismus, diese Dissonanz bildet die einzige Konstante auf der Reise, die gleich im Refrain bei „Rainbowarriors” beginnt. „Promise” paralysiert den Zuhörer ab der sechsten Sekunde durch seine Synthieline, nur um ihn wenig später bei „Japan” zum Mitsingen (!) zu verführen. Und spätestens beim Cousteau’schen Intro von „Sunshine” hat er das Gefühl, nicht länger in Kansas zu sein. So verwundert es auch nicht, wenn er sich beim opulenten „Houses” unversehens in der Royal Alber Hall wieder findet. An dieser Stelle wird auch dem letzten Zweifler klar, dass sich das CocoRosie’sche Lummerland zwar kindlich unbeschwert anfühlt, aber keineswegs naiv ist. Die Komposition ist so allgegenwärtig, dass sie sich selbst negiert. Wald? Ich sehe nur Bäume!

Auch wenn man diesen Eindruck gewinnen könnte – CocoRosie wandeln zu keiner Zeit auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Der Wahnsinn entpuppt sich als Projektion des Genies, der sein Heil in der Infantilität sucht. Oder wie es Rousseaus Zeitgenosse Picasso einst sagte: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.”

Die Generation der „Verlorenen Jungs” wird dieses Werk lieben, wie Pustefix und Brauner Bär. Erinnern uns Sierra und Bianca mit diesem Album doch schmerzhaft an das, was wir verloren haben: unsere Kindheit – mit all ihrer Leichtigkeit!


| Jean Michel Baptiste |

Montag, 20. November 2006

Yeah Yeah Yeahs - Show Your Bones

Im Bad eines HotelzimmersBad eines Hotelappartments.* In der leeren Badewanne sitzen sich zwei beinahe sportlich gebaute, nackte Herren Ende Zwanzig gegenüber. Ein CD-Player läuft auf voller Lautstärke.


Hörer #1: Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber das Gequäke nervt! Was ist das überhaupt?

Hörer #2: Was? Meinen Sie die Yeah Yeah Yeahs mit ihrem zweiten Album Show Your Bones!? Das nervt Sie bereits? Dann hätten Sie erst einmal das Erstlingswerk der drei New Yorker, Fever To Tell, hören müssen: Das war explosiver Garagen-Punk-Rock. Dagegen ist dieses Album zurückgenommenes Songwriting mit Artrock-Ansätzen. Aber lassen Sie uns doch ein wenig weiter hören.

Hörer #1: Was soll das denn nun sein? Artrock? Punk? Folk? Indy?

Hörer #2: Da haben Sie schon den Kern getroffen. Die Yeah Yeah Yeahs lassen sich in keine Schubladen stecken. Experimentierfreudig, unkonventionell, auf einem Pfad der Selbstfindung. Und das alles vereint, kulminierend, auf einem einzigen Album. So etwas habe ich bisher selten gehört!

Und was sagen sie?

(Pause, Hörer #2 pfeift den Refrain von „Way Out“ mit, Hörer #1 versucht konzentriert auszusehen)

Hörer #1: Nun ja. Nehmen wir den Song „Phenomena“. Er ist eine Mischung aus mindestens fünf Bee Gee’s Songs und dem O.S.T. von From Dusk Till Dawn! Insofern haben sie Recht: es ist in der Tat etwas neues, solche Einflüsse zu vermischen.

„Gold Lion“ ist dagegen erträglich und hat etwas innovatives. Das Refrain-Gejauchze von Frontfrau...
(schaut in das Booklet der CD, die neben der Badewanne liegt)
...Karen O verleiht dem Song Wiedererkennungswert. Auch der darauffolgende Titel, „Way Out“, beginnt eingängig. Da wird aus Indy plötzlich Britpop. Aber leider nur 2:51 min lang, denn dann driften wir mit „Fancy“ akustisch etwas in die 70’er zurück. Das ist aber auch nicht schlimm. Hört man das Album jedoch am Stück, fängt spätestens jetzt die kratzige Stimme der Frontfrau an zu nerven.

Hörer #2: Aber ich bitte Sie! Es handelt sich um Indyrock! Was wollen sie denn da hören. Außerdem ergänzt die ausdrucksstarke Stimme Karen Os perfekt das etwas krachige Ensemble. Die Proberaumatmosphäre ist beinahe zu greifen.

Hörer #1: (springt auf) Im Proberaum hätten sie auch bleiben sollen! Hören Sie sich doch einmal bitte „Honeybear“ an! Ein Ringelringelreihe-Refrain gepaart mit drei Akkorden auf der Gitarre. Ich muss den Yeah Yeah Yeahs ja einiges zugestehen, aber das ist der Tiefpunkt auf Show Your Bones.

Und dann noch „Mysteries“...da ist der Punk mit ihnen durchgegangen. Nein danke!

Danach diese unbeholfene Lagerfeuerromantik mit „Warrior“. Das ist mir zuviel. Machen Sie bitte den CD-Player leiser!

Hörer #2: (springt auf) Ich denke ja gar nicht dran! Gehen Sie doch!

Hörer #1:
Was? So können Sie mit mir in meiner Wanne nicht reden!
...also gut! So kommen wir nicht weiter.
(beide Herren setzen sich)
Ich will es mal so beschreiben: während andere Alternative-Kollegen sich langsam im Gehörgang einnisten, um die Gunst des Zuhörers schmeicheln, ihn mit melodiösen Komplimenten überschütten um dann Einlass gewährt zu bekommen, treten die Yeah Yeah Yeahs die Tür ein, marschieren mit dreckigen Schuhen über den Teppich und fläzen sich in den Sessel des Hausherren...

Hörer #2: ...und Hinterlassen dort ihren Eindruck!

Hörer #1: Zweifellos! ...Aber was für einen...?
(dreht den Wasserhahn auf)








* Möglicherweise handelt es sich um das selbe Hotelzimmer der dramatischen Geschichte „Herren im Bad“ von Loriot.

The Yeah Yeah Yeahs

Arne Scheschonk

Mittwoch, 15. November 2006

THE UPPER ROOM - OTHER PEOPLE's PROBLEM

Man nehme vier Jungs, die zumindest rein äußerlich das Zeug zu Schwiegermamas Lieblingen haben, gebe ihnen Gitarre, Bass und Schlagzeug zur Hand und einem ein Mikrophon. Dieser singe dann mit herrlichem Akzent und zuweilen einsetzender Lethargie Songs über Exfreundinnen, Herzschmerz, Hass und Liebe – und schon haben wir eine Vorzeige-Britpop-Band.

Was Oasis, Blur, Travis, Pulp und einige andere vorgemacht haben, machen The Upper Room nun nach: Britpop in Reinkultur; achwas, die Definition von Britpop! Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

Aber die Jungs aus Brighton nur als auswechselbare Nachahmer abzutun, wäre ungerecht; denn was einem da zu Ohren kommt, ist eine kleine Perle des Inselrock.

Zunächst handelt es sich um ein durchweg solides Album ohne nennenswerte Ausfälle und mit mindestens 4 auskopplungsfähigen Tracks („All Over This Town“, „Portrait“, „Kill Kill Kill“ und „Combination“).

Dazwischen trifft man, wie mit dem zweiten Song „Leave Me Alone“, stadiontaugliche Hymmnen oder mit „The Centre“ chillige 80’s-Zitate an. „Kill Kill Kill“ ist ganz vorn anzusiedeln. Melodisch, ergreifend, vielleicht manchmal etwas lethargisch.

Rein handwerklich finden die guten alten Achtziger durch verstärkten Elektronikeinsatz auch in „Combination“ ihr Revival und mit dem säuselnden Gitarrenchorus in „Portrait“ oder „The Centre“ werden die 90’er wiedererweckt. Aber niemals verlassen die vier Briten den Rahmen ihres Könnens, so dass die hohe Qualität ihrer Arbeit sie aus der Masse der derzeit so angesagten, aber offenbar überforderten Garagen-Rock-Bands wohltuend herausstechen lässt.

The Upper Room Site

Arne Scheschonk

Freitag, 27. Oktober 2006

Rainbow Warrior oder: Jondo Berliziano

Die Nachricht kam via SMS: wir stehen auf der Gästeliste beim Konzert von Martin Jondo, der neuen Hoffnung in europäischen Reggae-Gefilden. Am 22. Oktober im Postbahnhof am Ostbahnhof. Und: “Es geht um 21:00 los. Schreibst du dann was übers konzert? Mach nochmal meldung. Gruß Stephan”.



Die nächste SMS lässt nicht lange auf sich warten: “Treffen uns um 17:30 am zug.” Wieso nur? Warum so früh? Im Zug dann die Erklärung: In Berlin kommt noch ein vierter lustiger Geselle hinzu, Stephan. Um uns die Zeit zu vertreiben und ein paar sinnvolle Fragen für ein eventuelles Interview zu sammeln, wandern wir, 2 x Stephan und 2 x Alexander, zum Freischwimmer, wo wir diverse Getränke einnehmen und verschiedene Ideen von uns geben.



Als wir irgendwann nach 20:00 Uhr im Postbahnhof eintreffen, gibt es Probleme. Die Gästeliste ist vermutlich in Suaheli verfasst und so kann die junge Dame am Tresen unsere Namen nicht finden – bis auf einen. Der große Stephan macht sich auf die Suche nach der netten Managerin von Martin und alles nimmt doch noch ein gutes Ende, nein, Quatsch, das war ja erst der Anfang.



Unser Eintreffen reißt den Altersdurchschnitt des Publikums dramatisch nach oben, fast nur Teenies, aufgedonnerte Jungfrauen und supercoole Halbstarke. Ich fühle mich sogleich als Aufsichtsperson und erteile einer Gruppe Milchbärte reflexartig Rauchverbot.

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Das Konzert fängt püntklich an und nachdem wir den Vorsänger überlebt haben, wird es ruckartig tropisch warm im Saal (wurde etwas die Heizung hochgedreht?). Drei bezaubernde junge Damen ganz in Weiß tippeln barfuß über die Bühne und beginnen zu den ersten Takten der vierköpfigen Band einen souligen Gesang, der das Publikum (mich auch!) sofort einnimmt und an die Bühne zieht. Wat für geile Stimmen, würde der Berliner jetze ausrufen. Die Menge wird eins, nur ein eckiger Typ bewegt sich, als hätte er seinen Körper nur geliehen bekommen, und tritt den Kleinen vor der Bühne ein paar Mal kräftig auf die Zehchen.

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Und da turnt er auch schon ins Bild, Martin Jondo, mit einer Stimme wie der junge Bob Marley. Er singt und springt, klatscht und feuert an – was für ein Energiebündel, das hätte ich diesem Wonneproppen nicht zugetraut! Ich verneige mich.

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Um es kurz und für die, die nicht dabei waren, weniger langweilig zu machen: schickes Konzert, schöne Musik, toller Abend. Mit dem Interview hat es leider nicht geklappt, nach mehreren Zugaben (darunter auch Jondos bekanntester Titel “Rainbow Warrior”) mussten wir zum Bahnhof flitzen, um den letzten Zug in die Provinz zu erhaschen.



Lieber Martin, liebe Soulengel, liebe Band! Falls ihr das jemals lesen solltet: wir danken euch für den Abend. Bis zum nächsten Mal, euer Kleeblatt A.S.A.S.

Montag, 23. Oktober 2006

Berlin Insane oder: Dr. Motte & der Dipl.-Kult.

N°1: Berlin Insane IV, Volksbühne

Es gibt Menschen, die doktern mühsam an ihrer Promotion herum – wie ich zum Beispiel. Und es gibt Menschen, die verpassen sich ihren Doktortitel gleich selbst und lassen andere die Promotiontour machen – wie der Loveparade-Erfinder und Blogwart Matthias Roeingh alias Dr. Motte zum Beispiel. Am Sonnabend, dem 21. Oktober 2006, luden Steve Morell und Emma Eclectic zum nunmehr vierten Berlin Insane in die Volksbühne. Dr. Motte hatte mir via Mail mitgeteilt, dass er mich auf die Gästeliste setzen würde (Flickr sei Dank!). Pünktlich um 21:00 Uhr segelte ich in die Volksbühne ein, da ich vorab schon mal einige Fotos machen wollte, quasi zum Aufwärmen.

N°4: Berlin Insane, Dr. Motte & Mr. Riös

"Gästeliste: Bitte am Mitteltresen melden", steht auf einem Zettel im Foyer. "Ahoi, ich stehe bei Dr. Motte auf der Gästeliste", sage ich zu der jungen Dame. "Echt?" gibt sie erstaunt zurück und reicht mir auch schon das gelbe Plastikarmband. Etwas ziellos trudel ich zwischen den einzelnen Bühnen in Hauptraum, Sternfoyer, Rotem und Grünem Salon hin und her. Überall ist etwas im Gange, alles ist der Selbstorganisation und dem Geschmack der Anwesenden überlassen. Oben trommelten N.U. Unruh im wahrsten Sinne ohrenbetäubend (Betäubung kann schön sein.)

N°2: Berlin Insane IV, N.U.Unruh

Klick-klick-klick, erste Fotos. Im Anschluss schwuchtelte sich Boy From Brazil auf sehr gewagten hochhackigen Schuhen durchs Sternfoyer und balancierte sogar damit stehend auf einem Barhocker. Alle Achtung, Baby!
Als ich die süße Fronfrau von Goldfish auf der Hauptbühne entdecke, beschließe ich sogleich, eine Nahaufnahme zu machen und turne nach vorn in die erste Reihe. Und dort sitzt, nein: zappelt er, mit Kamera und Stativ bewaffnet, und hält flink jede Bewegung auf der Bühne fest: Dr. Motte! Der große kosmische Magnet, der uns wie kleine Eisenpfeilspäne in feldartigen Mustern anordnet, hat uns zusammengeführt. Wir begrüßen uns, vergleichen unsere Digicams (ich: Sony / er: Panasonic) und neidlos muss ich anerkennen: seine hat mehr drauf. War ja auch doppelt so teuer. Anyway, wir machen erst einmal jeder ein Doppelportrait und vergleichen danach unsere Aufnahmen.

N°5: Berlin Insane IV, Warren Suicide

Warren Suicide GuitarWarren Suicide betreten die Volksbühne und stürmen im Nu das gut gefüllte Rockfort. Ich mache einige schicke Fotos vom Frontmann, der direkt vor meiner Nase posiert (ich danke sehr!) und verliebe mich spontan in die Keyboarderin, eine lächelnde Prinzessin im himmelblauen Kleid, – und prompt versagt mein Blitzlicht. Am Ende des Gigs schmeißt mir der Sänger seine Gitarre vor die Füße und ich weiß, das hat etwas zu bedeuten: ich bin doch der Auserwählte, ich bin der Frankfurter Buchmessias.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich allerdinx die Übersicht verloren, die meisten nachfolgenden Acts blieben für mich namenlos („Wie heißt die Band? Tinitus?“) und verschwimmen in meiner Erinnerung zu einer Einheit. Recht lebhaft kann ich mich jedoch an die Crack Whore Society erinnern: Greatest Rock’n’Roll! Der Boden hat gebebt und die Menge gekocht (heute auf der Speisekarte: Menschenauflauf). Nach jedem Song rief der Sänger in klassischer Manier zur Technik rüber: "Mehr Druck auf die Monitorboxen, ich kann mich nicht hören!, Ein bisschen mehr Bass, der war gar nicht mit drin!, Zu leise alles, ihr müsst insgesamt viel lauter machen!" etc. - - Unbedingt nächtes Mal wieder einladen!!!

Jonathan-und-Rolf

Weitere Impressionen des Abends:
  • Als ich mit einem der drei Musketiere Basti, Chris & Sandro, die mir fortan Gesellschaft leisten, im Hauptraum sitze, beugt sich plötzlich ein Gesicht wie der Mond bei einer Eclipse über uns und fragt: "Ey, habt ihr Gras?"
  • Zwei Männer hängen auf der Herrentoilette synchron über dem Waschbecken, als wären dort Zapfhähne mit Gratisbier installiert. War aber nicht.
  • Ich meine Gunther von Hagens mitsamt seiner Familie gesehen zu haben.


Als ich dem gelangweilt dastehenden Garderobier gegenübertrete und ihm mit den Worten "O du wackerer Garderobenmann, kommst du denn an diese Jacke rann?" meine Marke reiche, reimt er spontan zurück: "Und wann?" Ich bin spontan verblüfft und antworte: "Jetzt sofort, aber dallidalli!" Das Jetzt war um 3:33 Uhr; kurz danach verließen die drei Musketiere, mit mir als D'Artagnan und viertem im Bunde, den Ort des Geschehens und rollten über die Wiese davon.

Fazit: Berlin Insane – nächtes Jahr wieder!

Sonntag, 22. Oktober 2006

Stellastarr* - Lost In Time








Warum muss man eigentlich jede Band beschreiben, um über sie schreiben zu können? Keine Ahnung? Na dann lasse ich das hier. Schließlich haben wir 2006 und YouTube entfaltet gerade seine volle Wirkung (bitte mal oben klicken, gucken und lauschen). Irgendwie passen Stellastarr* in den Herbst. Der Sänger erinnert mich jedenfalls schwer an die vocals von Danzig und ansonsten fallen mir auch immer ganz spontan Type O Negative und Broder Daniel ein. Das ganze aber sehr höhrbar zusammengeschnürt und auf Stellastarr*s Album Harmonies For The Haunted gepackt, ist ein schöner Soundtrack zum Blätterfall.

guckst und hörst Du: stellastarr.com

//kyniker

Samstag, 21. Oktober 2006

José Gonzáles - Heartbeats






Lange Zeit vor den großen Jack Johnsons oder James Blunts hatte ein José Gonzáles im schönen Schweden bereits zur Gitarre gegriffen und seinen Song Remain dort bereits 2003 auf die sensible Hörerschaft losgelassen. Zwei Jahre später erst, auf der Welle der en vogue werdenden Ein-Mann-Mit-Guitarre Pop-Ensembles, wurde dann auch hierzulande das großartige Album Veneer veröffentlicht. Gonzáles ist dabei ernsthafter als seine Mitsurfer Johnson und Blunt. Seine Musik kriecht in die Seele, wie die Wärme eines offenen Kamins nach einem eisigen Wintertag. Wenn auch nicht mehr ganz frisch, so ist das Album doch genau das richtige zum scheidenden Sommer und für mich jedenfalls melancholischer Soundtrack für die kommenden zwei Jahreszeiten.

guckst und hörst Du: jose-gonzalez.com

//kyniker

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